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Der Kühlschrank
Der Kühlschrank ist der anerkannte Mittelpunkt des Familienlebens der Familie Ohneha.
Alle lebenswichtigen Vorgänge
werden vor, in, von und mit diesem Gerät gesteuert.
Während sich Mutter Ohneha vergeblich darin versucht, den Spagat zwischen
Kühlschrankgrösse und Familienbedürfnissen zu schaffen, eine
gewisse Logistik in der Nahrungsbeschaffung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig
den Grundbedürfnissen der Lebensmitteltechnologie zu genügen, beschränkt
sich der Rest der Familie auf die pure Nutzung für verschiedenste Bedürfnisse.
Vater Ohneha ergeht
sich vor dem geöffneten Kühlschrank in ausgiebigen Meditationen über
seinen Lebensstil, seine Grundbedürfnisse an seelischen Streicheleinheiten,
über den Zusammenhang von Streichleberwurst und glücklicher Kindheit.
Gelegentlich werden auch Diätpläne vor dem offenen Lebenselixier-Aufbewahrer
geschmiedet, um dann aber in der Regel auf den nächsten Kühlschrankbesuch,
den nächsten Tag oder das nächste Jahrhundert verschoben zu werden.
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Oliver Ohneha verfolgt
eine andere Taktik. Als schlaksiger Junge mit kleinem Appetit stiert er mit
Vorliebe in den Kühlschrank, stellt fest, dass es im proppevollen Kühlschrank
"eh nichts drin hat" und zieht mit einem Stück Brot glücklich
von dannen. Er ist berühmt- berüchtigt bei Ohnehas dafür, dass
er immer genau die Joghurtsorte haben will, von der es grad keine hat - und
diejenige, welche Mutter Ohneha vom letzten "nie hast du xxx-Joghurts"-Ausraster
noch da hat, sind nun nicht mehr genehm und warten geduldig auf ihr Ablaufdatum
oder auf einen dankbaren Zeitgenossen, der sich ihrer erbarmt und sie isst,
der aber selten Oliver heisst.
Victoria Ohneha verfolgt eine ganz andere Strategie.
Mit blicklosen Augen starrt sie gebannt in dieses Gerät der modernen Technologie
und wartet darauf, dass ihr jedes Lebensmittel in den höchsten Tönen
angepriesen wird, um es dann mit verachtungsvollem Tonfall abzulehnen. Nach
der Aufzählung sämtlicher Sachen bis hin zu Nagellack und Salatsauce
kommt dann die obligate Gegenfrage nach Chips oder Schokolade. "Nein, mein
liebes Mädchen, das sind keine Grundnahrungsmittel - und sie sind auch
nicht im Kühlschrank".
Daraufhin ergeht sie sich in Wehklagen, dass keiner sie liebt, um dann schlussendlich
den zuerst angebotenen Erdbeer- Quark zu akzeptieren.
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Benjamin Ohneha -
der findet das Getue um den Kühlschrank einfach nur lustig und unverständlich.
Das einzige, das ihn interessiert, ist Fleischkäse und Süssgetränk.
Zumindest weiss er, dass dieses Gerät und Essen einen Zusammenhang haben,
wann immer man ihn fragt, ob er Hunger hat, rennt er dorthin und hämmert
mit der vollen Wucht seiner knapp zwei Jahre an die Kühlschranktür....
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Mutter Ohneha stellt sich
den idealen Kühlschrank in Wohnwandgrösse vor, mit Sichtfenster und
automatischer Datumskontrolle sowie der restriktiven Freigabe von gewissen Lebensmitteln,
um zu verhindern, dass die Gurken für den Gurkensalat schon aufgegessen
sind, wenn sie kochen will und die Menüplanung wieder einmal sehr flexibel
gehandhabt werden muss.
Mutter Ohneha ist noch immer voller Hoffnung, eines Tages den richtigen Kühlschrankinhalt
für jeden in petto zu haben und mal nicht vorgeworfen zu bekommen, es sei
ja nichts drin....in ihren schönen Nachtträumen kommen prall gefüllt
Kühlschränke vor.....die sich selber auffüllen, reinigen und
immer alles in der genau richtigen Menge drin haben........
Bis dahin versucht sie tapfer, durch ungewöhnliche Menüplanung den
Ansprüchen der Familie immer einen Schritt voraus zu sein - was soll sie
denn auch anderes tun, wenn sie 4 Mokka-Joghurts, eine halbe Wassermelone, 3
Salatgurken, 200 g Schinken und einen Rest Tomatensauce hat, die dringendst
gegessen werden müssen......
Und täglich wird aufgesagt :
Kühlschrank unser,
der Du bist in der Küche
geflüstert werde Dein Name,
Deine Kühlleistung komme,
wie im Winter so auch im Sommer...
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von unseren überflüssigen Gelüsten
und vergib uns unsere langen Türöffnungszeiten
wie auch wir vergeben Dir die hohe Stromrechnung.
Denn Dein ist die Milch, die Wurst und der Kopfsalat
in Geniessbarkeit und Haltbarkeit in Ewigkeit,
MieleBoschSiemensLiebherr.
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